Freiburg/Zürich 03.06.2014


Die Hypnose kann den Tiefschlaf bei einzelnen Menschen markant verlängern

Freiburger und Zürcher Forscher sind der Frage nachgegangen, wie der Mensch zu einem tieferen Schlaf gelangen kann.

Tiefschlaf fördert das Wohlbefinden, verbessert das Gedächtnis und stärkt die Abwehrkräfte. Nun weisen Zürcher und Freiburger Forscher in einer neuen Studie nach, dass Hypnose die erholsamen Tiefschlafphasen deutlich verlängern kann.

Das Ausmass der Verbesserung hat die Wissenschaftler nach eigenen Angaben überrascht: Frauen, die vor einem Mittagsschlaf einer speziellen, 13-minütigen Tiefschlafhypnose zuhörten, wiesen einen um 80 Prozent höheren Tiefschlafanteil auf als Frauen, die zuvor einen neutral gesprochenen Text angehört hatten.

Messbare Veränderung

Es sei zwar schon bekannt gewesen, dass Patienten mit Schlafstörungen erfolgreich mit Hypnotherapie behandelt werden können. Ob sich ihr Schlaf aber messbar verändert, ist laut den Angaben der Universität Zürich bislang nicht nachgewiesen worden.

Für eine objektive Messung des Schlafs wird die elektrische Aktivität des Gehirns mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen. Der Tiefschlaf zeichnet sich dabei durch eine ungewöhnlich gleichmässige und langsame Wellenbewegung der elektrischen Aktivität im Hirn aus.

Für die Studie liess das Team um den Forscher Björn Rasch vom Departement für Psychologie der Universität Freiburg 70 junge Frauen im Schlaflabor der Universität Zürich einen 90-minütigen Mittagsschlaf halten. Ein Teil von ihnen hörte vor dem Einschlafen ab Lautsprecher eine Tiefschlafhypnose, die von einer auf Schlaf spezialisierten deutschen Hypnotherapeutin entwickelt worden war.

Es zeigte sich im Laufe der Untersuchungen, dass sich mit Hypnose nicht nur die Tiefschlafphase um rund 80 Prozent verlängert hat, sondern auch die Wachliegezeit um ein Drittel kürzer wurde, berichten die Forschenden im Fachjournal «Sleep».

Die Ergebnisse könnten für Patienten mit Schlafproblemen und für ältere Erwachsene bedeutsam sein, da sich die Schlafqualität ohne Medikamente verbessern liesse, erklärten die Forschenden. «Im Gegensatz zu vielen Schlafmedikamenten ist Hypnose frei von Nebenwirkungen», sagte Erstautorin Maren Cordi in der Mitteilung.

Nur für Hypnotisierbare

Eine Einschränkung gibt es jedoch: Die Hypnose funktionierte nur bei gut hypnotisierbaren Frauen–weniger gut hypnotisierbare Teilnehmerinnen profitierten nicht davon. Die Hypnotisierbarkeit wurde vor dem Experiment mit einem Standardverfahren, dem Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility, gemessen, und die Probandinnen wurden in mittelgut hypnotisierbar und weniger gut hypnotisierbar eingestuft.

Rund die Hälfte der Bevölkerung sei mittelgut hypnotisierbar, hiess es in der Mitteilung weiter. Frauen erreichen in diesem Verfahren im Durchschnitt etwas höhere Werte als Männer. Für gut hypnotisierbare Männer erwarten die Forscher indes dieselben positiven Effekte auf den Schlaf.

Die Studie fand im Rahmen des Projekts «Schlafen und Lernen» statt, das von Björn Rasch von der Universität Freiburg geleitet und an den Universitäten Zürich und Freiburg durchgeführt wird. Es wird vom Schweizerischen Nationalfonds und der Universität Zürich gefördert und soll aufzeigen, wie die positiven Effekte des Schlafs auf Gedächtnis und mentale Gesundheit entstehen. sda