Mit Hypnose zum Hochgefühl

Bei der Hypnosetherapie wird das Problem unmittelbar dort gepackt, wo es liegt: im Gehirn. Indem die «Festplatte» neu programmiert wird. Dies gelingt nur, wenn Hypnosetherapeut und Patient zusammenarbeiten.


Hypnose ist nur möglich, wenn ein Therapeut wie Lorenz Bigler mit der Patientin, in diesem Fall der Autorin, zusammenarbeitet.


Er wirkt präsent, wach, bereit, das Leben anzupacken: Hansruedi Wipf gilt als die Schweizer Koryphäe in Sachen Hypnosetherapie. Einerseits setzt der 49-jährige Zürcher seine erlernte Fähigkeit ein, um Menschen von Angststörungen, sogenannten Phobien, zu befreien oder Spitzensportler – darunter auch Handballer des BSV Bern – in Sachen mentale Stärke zu unterstützen.


Anderseits jettet er durch die Welt, um ihr zu erklären, dass Hypnose nichts mit Religion, Esoterik oder gar schwarzer Magie zu tun hat. «Wenn man nicht weiss, wie sich Hypnose anfühlt, ist es schwer, sie zu verstehen», sagt der Therapeut mit dreissig Jahren Erfahrung und ist bereits mitten drin im tiefen Thema: «Hypnose hat in erster Linie mit Fühlen zu tun – nicht mit rein rationalem Verstehen. Es ist der Sprung von positivem Denken zu positivem Fühlen.


Das Hypnotisieren sei erlernbar, sagt Wipf, der selbst Therapeuten ausbildet, und erklärt es so: «Hypnose ist die Umgehung des kritischen Faktors des Bewusstseins und die Etablierung von geeignetem, selektivem Denken.» Oder vereinfacht: «Hypnose ist ein entspannter Zustand der Konzentration auf anderer Ebene. Der Patient entscheidet selbst, wieweit er sich in diesen Entspannungszustand hineinführen lässt.


Alte, aber unbekannte Therapie

Auch Lorenz Bigler aus Huttwil therapiert seit Jahren mit der jahrtausendealten und dennoch unbekannten Therapieform. Gerade Phobiker seien durch Hypnose schnell und gut heilbar, sagt Bigler und erklärt es mit Sprachbildern: «Wenn man das Gehirn mit einem Computer vergleicht, ist das Unterbewusstsein die Festplatte.


Bei der Hypnose gilt es, durch positive Suggestion den Fehler, hier die erlernte Angst, direkt dort zu packen, also dem Gehirn eine neue Möglichkeit anzubieten, indem die Gedanken durch das Erzeugen von guten Gefühlen verändert werden.» Nach der Hypnose erlebe der Patient das Hochgefühl dieser Erfahrung. «Er hat dann die Entscheidung, beide Gefühle abzurufen. Viele haben die Ängste schlicht vergessen.» Einem Spinnenphobiker beispielsweise nütze es nichts, «nur» positiv zu denken, wenn ihm eine Spinne über die Hand laufe. «Er kann vor lauter Panik gar keinen klaren Gedanken fassen.» Das positive Denken sei wichtig, finde aber «nur» oberflächlich statt.


Weil durch die Hypnose eben die Festplatte neu programmiert werde, sei der ganze Prozess ein anderer: «Der Phobiker entwickelt bei deren Anblick gar keine Ängste mehr, weil nun das gute Gefühl, durch die tiefe, schöne Empfindung, programmiert ist und sich automatisiert hat.» Hypnose sei nur möglich, betont Bigler, wenn der Therapeut und der Patient zusammenarbeiteten.


Dazu gehöre ein ausführliches Vorgespräch. Danach brauche es oft nur eine bis drei Sitzungen, dann sei der Patient von seiner Phobie geheilt oder für sein gestecktes Ziel gestärkt. Auch Wipf betont: «Ein Therapeut, der dafür länger braucht, ist kritisch zu betrachten.


Angst vor Kontrollverlust

Das Unbehagen gegenüber der Hypnose, vermutet Lorenz Bigler, rühre meist vom Wort her, das oft missbraucht und mit Hokuspokus in Verbindung gebracht werde. Der Begriff lehnt sich an an den Namen des griechischen Schlafgottes Hypnos und deute deshalb in eine falsche Richtung. Weil sich viele Menschen nicht vorstellen könnten, warum und wie Hypnose wirke, hätten sie Angst davor, sagt auch Wipf.


Doch es sei noch nie jemand aus der Hypnose nicht wieder zurückgekommen. Hypnose sei also kein Kontrollverlust. «Menschen, die zum Beispiel bei einer Hypnoseshow mitmachen, wissen ganz genau, worauf sie sich einlassen. Sie sind von Anfang an bereit, sich auf das einzulassen, was für die Show verlangt wird.


Hypnose lindert Schmerzen

Ein Mensch tue, wie Tests zeigten, auch im Zustand der Hypnose nichts, was er bei vollem Bewusstsein nicht täte. «Hypnose ist ein natürlicher Zustand, in dem sich jeder mindestens zweimal täglich befindet: vor dem Einschlafen und vor dem Aufwachen.» Hansruedi Wipf und Lorenz Bigler betonen, dass die Hypnosetherapie den Arzt nicht ersetze. «Aber sie kann den Umgang mit der Krankheit stark beeinflussen.


Auch Schmerzen könne sie lindern. In vielen Zahnarztpraxen wird die Hypnosetherapie bereits angewandt. Oder im Rückenzentrum Biel, wo Bigler zweimal monatlich seine Hypnosetherapie offiziell zur Schmerzlinderung einsetzt. Wie MRI-Tests zeigen, empfinden Patienten den Schmerz auf einer Skala von eins bis zehn in Hypnose viel geringer.


Auch Psychologen und Psychiater arbeiten mit Hypnose. «Der Patient lernt durch Hypnose, seine positiven Kräfte zu generieren», erklärt Lorenz Bigler. Es sei wie mit dem Navi im Auto: Wenn der Fahrer es wolle, biete es ihm den Weg an. Lenken aber tue er selber. «Der Patient bringt alles selbst mit, um den ‹Chnorz› zu lösen. Der Therapeut hilft ihm einfach dabei.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.07.2015, 13:37 Uhr