Die Ärztin misst die Hirnströme von Menschen, die eine Nahtoderfahrung erlebt haben

Bei den Operationen können sich die Patienten dann an einen angenehmen Ort versetzen. In normalem Bewusstseinszustand würde vor allem der rechte Temporallappen aktiv - als Teil des autobiografischen Gedächtnis. Unter Hypnose hingegen fährt die Sehrinde hoch - so als würden die Hypnotisierten die Reise tatsächlich sehen. "Es ist, als ob sie den Urlaub nochmals durchleben", sagt Faymonville.


Das will die Medizinerin nutzen, um Erkrankungen und Bewusstseinszustände zu erforschen. Sie deutet auf ein Video eines Probanden, der eine Art Badekappe mit unzähligen Elektroden auf dem Kopf trägt. In einer Studie misst Faymonville derzeit die Hirnströme von Patienten, die eine Nahtoderfahrung durchlebt haben. Um zu sehen, ob die Betroffenen diese Extremsituation unter Hypnose wieder erleben können, ähnlich wie den Urlaub. Um diesen Zustand dann besser zu ergründen.


Schon als Kind suchte Faymonville stets das Besondere, fiel schon als Schülerin mit ausgefallenen Fragen auf. Als Angehörige einer deutschen Minderheit kannte sie deutsche Schlager statt französischer Chansons, wechselt sie heute mühelos zwischen Deutsch und Französisch hin und her; kürzlich hielt sie einen Vortrag bei einem Kongress in Bad Kissingen.


Bei Veranstaltungen warnt sie stets davor, sich in die Hände irgendeines Hypnotiseurs zu begeben. Und erinnert dabei an das Experiment eines kanadischen Kollegen. Der hatte die Geburtstagsparty einer Studentin gefilmt und die junge Frau dann unter Hypnose die Feier neu durchleben lassen. Dabei suggerierte ihr der Kollege allerdings, dass ihr Vater unter den Gästen gewesen war. Tatsächlich hatte der am Fest nicht teilgenommen. Nach der Hypnose war die Studentin dennoch fest davon überzeugt, dass ihr Vater mit ihr gefeiert hatte. "Wir müssen vorsichtig sein, was wir den Patienten unter Hypnose suggerieren", warnt Faymonville. Unter Pariser Gymnasiasten zum Beispiel ist es gerade en vogue, fremde Passanten auf der Straße mit im Internet aufgeschnappten Methoden zu hypnotisieren. "Bei besonders anfälligen Menschen funktioniert das", berichtet die Ärztin.


Für Faymonville gehört die Hypnose längst zum Alltag. Die Technik hilft ihr, im Beruf entspannt zu bleiben; bei ihren drei Söhnen hat sie Hypnose bei Ängsten eingesetzt oder wenn sie nachts an Bauchschmerzen litten. Sogar die Weisheitszähne wurden ihnen unter Hypnose gezogen. "Meine Kinder sind damit aufgewachsen", sagt Faymonville. Sie hofft, dass sich die Hypnose auch nach ihrer Zeit in der Medizin weiter durchsetzen wird. Plötzlich stürmt ein schmaler Mann in schwarzer Lederjacke in ihr Büro. Er macht derzeit eine Ausbildung zum Narkosearzt, möchte sich möglichst bald auch der Hypnose widmen. Und ist der Sohn von Marie-Elisabeth Faymonville.